Das Ritterzimmer

Herz und Zentrum des Heihsgutes

Ritterzimmer im Heihsgut

Das Ritterzimmer, eine Zirbenholzstube aus dem 16. Jh., ist das Zentrum des Heihsguts. Da findet man, schrieb Ignaz v. Kürsinger 1853, die Wandschränke wie in den alten Ritterstuben. Und so wurde dieser schöne Raum für uns zum Ritterzimmer.

Es wurde nach einer verlorenen, aber von Kürsinger überlieferten, Inschrift über dem Türstock der Eingangstüre spätestens im Jahr 1545 errichtet und ist damit das älteste dieser Art im Lungau. Auftraggeber waren Apollonia Heihs, eine Enkelin des ersten Eigentümers aus der namengebenden Familie, und ihr Gatte, Hanns Gensprunner zu Radstadt.

Nicht nur, der beim Holz natürliche Vorgang des Nachdunkelns, sondern auch Rauch und Ruß von Kerzen und Kienspan waren wohl daran beteiligt, dass die Vertäfelung schon Mitte des 19. Jh. als durch die Jahrhunderte schon sehr gebräunt beschrieben wird. Späteren Bewohnern war das zu düster; so bestrichen sie das edle Holz mit weißer Leim- und Ölfarbe und vernagelten die dann unansehnlichen Wände mit hellen Weichfaserplatten. Die Schäbigkeit der Verkleidung ließ die Schönheit des einst vornehmen Raums kaum noch ahnen.

Erst 1999 trat die alte Pracht bei einer aufwendigen Restaurierung wieder ans Licht. Wie ein Schmetterling, der das Dunkel der grauen Puppe verlässt. In seiner schlichten und vornehmen Schönheit erinnert das Ritterzimmer an die Zeit, als Kaiser Karl V. dem Vater von Apollonia Heihs wegen seiner erberkeit, redlichkeit, guet sitten tugent und vernunfft ein Wappen verlieh, dass noch heute seinen Grabstein im Vorraum der Dorfkirche ziert. Und das war wohl auch der Anlass für die Vergrößerung des Hauses und die damit einhergehende Einrichtung dieser guten Stube.

Die hatte auch ein kleines Geheimnis bewahrt, dessen Rätsel erst bei der Restaurierung endgültig gelöst wurde. Neben dem Ritterzimmer liegt eine kleine gewölbte Kammer, von der, so ist bei Ignaz v. Kürsinger zu lesen, eine geheime Schneckenstiege, welche jetzt vermauert ist, in die untern Gewölbe führt. Davon war nie etwas zu sehen. Aber eine Abschrägung der Vertäfelung des Ritterzimmers und Unebenheiten der Wand im daneben liegenden Adelstübel ließen uns schon vor Jahren zu Fäustel und Meißel greifen. Die dabei frei gelegte Maueröffnung konnte der alte Aufgang der verschwundenen Stiege sein, die dann unter dem nicht mehr vorhandenen Ofen des Ritterzimmers versteckt gewesen sein mag. Beim Aufmauern eines neuen Ofens entdeckten wir unter den Bodenbrettern die Öffnung für diese Treppe. Das bauliche Rätsel war damit gelöst. Und doch bleibt auch hier eines jener kleinen Geheimnisse, die alle alten Häuser haben: Die Frage nach dem Zweck der vor bald zweihundert Jahren verschwundenen Stiege.

Fenster Heihsgut
Heihsgut restauriert
Diele im Heihsgut
Ritterzimmer